März 5, 2024

Es ist eine alte Binsenweisheit, dass Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen. Eine andere ist es, dass hinter jedem großen Mann eine starke Frau, oder zumindest ein starkes Supportnetz steht. Und noch so eine Erfahrung, die ich machen musste:

Genies sind es oft nur in einem bestimmten Bereich. “Alleskönner” sind oft “Jack of all trades, master of none” (was ich gerade leider nicht übersetzt kriege), oder wie es in einem bekannten Selbsthilfebuch heißt: “Ich bin in dem und dem Bereich sehr gut, und in allen anderen ziemlich grottig”.

(Ich glaube, es war “The 4 Hour Work Week”, genau weiß ich es leider nicht mehr)

Nun bin ich (leider) kein Genie, oder nur in Bereichen, die leider keine Sau zu interessieren scheinen. Durch die moderne, vernetzte Welt tritt sowieso so ziemlich jeder mit jedem in Konkurrenz, der sich etwas aufbauen oder etwas sein möchte, und es gibt ein gigantisches Überangebot an Meinungen, verschiedenen Blickwinkeln, Ideologien und Ideen.

Oft sind diese in sich durchaus irgendwie schlüssig, stehen aber in kompletter Konkurrenz zu anderen Weltbildern, oder haben nur scheinbar eine Verbindung zueinander.

“Trotzdem muss irgendjemand das Klo putzen”

In seinem Weltbild ist Orlando (bürgerlicher Name: Roland H. Bellstedt) nun definitiv ein Genie, und tatsächlich ist er – wenn er in Hochform ist – ein Meister in Sachen wie Trance und Gefühlen. Zwar ist das, was er tut und sagt, in vielen Bereichen zu weitgefasst (was es aber wohl auch sein muss, da es hier um Konzepte geht), oft ballert er Dinge heraus, die eher seinem persönlichen Frust als einer echten, therapeutischen Intervention oder “tiefen Wahrheiten” entspringt, aber immerhin: Irgendwie und irgendwo hat er mit extrem vielen Dingen recht, auch wenn sie sehr schwierig zu greifen und zu verinnerlichen sind.

Leider muss auch im Paradies irgendjemand das Klo putzen. Oder die Drecksarbeit machen. Und sehr häufig ist “die Welt” oder “die Masse” im Unrecht, setzt sich aber trotzdem durch.

Und genau daran krankt es bei MM, und bei vielen Teilnehmern leider immer wieder. Auch bei mir.

Selbes Phänomen wie bei vielen Teilnehmern: Das nervenzerreißende, “normale Leben”

Viele Dinge sind dringend, aber nicht wichtig. Anderes ist wichtig, aber nicht dringend.”

So wie dieser Orlandosatz verhält es sich auch im normalen Leben: Die Miete zu bezahlen, Nachbarn zufriedenstellen und Arbeit sind zwar für das Selbstwertgefühl meistens eher schlecht, und führt meistens sicher nicht Richtung Lebenszweck oder Lebensvision (ergo: Schlecht für den Prozess, und führt von der “Magie” weg), dafür sind diese Dinge oft so mit Strafe verbunden, dass sie unbedingt erledigt werden müssen, sonst sieht es bald düster im Leben aus.

Orlando hat diese Dinge wohl lange Zeit an Menschen wie Felix N. ausgelagert, inklusive Buchführung und “alltägliches Business-Zeugs”. Nebenbei fiel es ihm wohl immer schwerer, sein Tranceding und seine Botschaft rüberzubringen, denn auch die schönste Sache der Welt wird irgendwann zur Last, wenn sie zu häufig gemacht wird.

Auch musste Orlando, um bei den Teilnehmern den Effekt zu erzielen, den er (angeblich?) erreichen wollte, wohl immer wieder Dinge anpassen und ändern. Und, das ist wohl das wichtigste:

Der “normale” Magick Male kann nicht einfach in der spirituellen und emotionsgeladenen MM-Welt bleiben. Er ist ans “echte Leben” gekoppelt, und egal, wie stark die emotionale Ausstrahlung, das Charisma etc. auch ist: Die Welt außerhalb der eigenen Bubble ist meistens eine recht andere als die innerhalb der Bubble.

Eine Sache, die auch mich wahnsinnig ankotzt, bis zum Exzess. Aber gut.

“Wir können alles”: Tja ja, dann mal viel Spaß mit dem alltäglichen Geschäftsstress

“Ich kann alles”, rotzte mir mal der Superprolet im Team, Alexander Schütze, entgegen. Um mir dann danach zu schreiben, dass er vollkommen ausgepowert sei. Prophetische Aussagen.

Nun wollten die MMs, und natürlich Orlando, seine eigene Unzufriedenheit über den Zustand von allem dadurch in den Griff bekommen, dass er ganz einfach alles selbst macht. Inklusive der ungeliebten Aufgaben, die sein Ex-Manager Felix N. bislang übernommen hatte, und auf die big O. wohl keinen Bock hatte.

Mit dem Ergebnis, dass er jetzt noch mehr als früher in Zeugs ertrinkt, dass der Gesundheit kaum zuträglich ist. Schön, dass er das jetzt auf Mia Lanze und Bertram Timms abwälzen kann, nicht so schön ist dabei, dass die gesamten Essenz von MM damit verloren gegangen ist.

Und so trägt Magick Male die eigene, sowieso schon fehlerbesetzte Bubble, nun gespickt mit massenweise Aggression und einem völlig fehlgeleiteten, halbgöttlichen Ansatz in die Welt.

Aua. Mir wird schlecht.

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