März 5, 2024

Hinweis: Dieser Artikel soll noch irgendwann einmal um zwei Absätze mehr erweitert werden. Orlando sind im FAMP noch zwei Dinge herausgerutscht, die ich aus verschiedenen Blickwinkeln spannend finde: Einmal murmelte er vor sich hin, “der Satan” sei zu einem von zwei Zeitpunkten in ein Computersystem gefahren, zum anderen, dass die “normalen Arbeiter” da draußen oft mehr Ahnung von dem hätten, was vor sich geht, als so manch anderer.

Beides Punkte, die so oder so interpretiert werden können, und eigentlich Artikel für sich verlangen. Passte aber irgendwie nicht mehr hier mit rein.

Im ersten Jahresdrittel 2017 war ich auf den FAMP, dem “Standardworkshop” für Männer von Orlando. Im Vergleich zum Selbst-Bewusst-Sein Workshop 2015 ist er “gröber”, aber nicht unbedingt harmloser als mein erster WS gewesen. Er geht viele, wichtige Themen an, und was dort genau passiert, kann ich nicht genau sagen, auch, weil die Inhalte wohl variieren.

Eine alte Weißheit von Orlando besagt: “Wenn du auch nur ein paar Prozent von dem, was hier passiert, mitbekommst, dann ist das viel. Ich kriege vielleicht 20% mit, und ich bin ein Profi”. Daher möchte ich hier auch nur rein subjektiv schildern, was dort mit mir passiert ist, und was ich daraus – auf den ersten Blick – mitgenommen habe.

Da so ein Workshop eine sehr persönliche Sache ist, kann ich hier auch meine eigenen Erfahrungen nicht ausklammern. Daher nehmen diese einen sehr großen Teil des Artikels ein. Wer das nicht mag, kann gerne zum Fazit ganz unten springen, oder die entsprechenden Passagen einfach auslassen. Es sind meine, ganz privaten Erfahrungen, und müssen nicht unbedingt mit dir resonieren.

Lange Vorarbeit

Nach dem ersten SBS-Workshop im Jahr 2015 war ich seelisch noch einmal deutlich angeschlagener als vorher. Daher waren die beiden Jahre zwischen den Workshops auch mehr oder weniger der Hölle. Einige Experimente später, inklusive Drogenerfahrungen mit LSD und Psylocybin, und seeeehr viel CBT-Erfahrungen, ging es dann an die nächste Buchung.

Schon vor der Buchung hatte ich ein sehr ungutes Gefühl. Ich wurde nicht enttäuscht, denn einige Tage später erhielt ich eine E-Mail vom Team mit dem Hinweis, dass Orlando erst nach langen Gesprächen bereit war, mich mit in den Workshop zu nehmen. Schließlich bin ich “nicht unbedingt der übliche Teilnehmer, und für Orlando auch oft ganz schön anstrengend. Don’t let us down! ;-)”

Wie zum Teufel ich einen Psycho-Workshop der knallharten Klasse absolvieren soll, ohne dabei “ganz schön anstrengend” zu werden, das wissen die Götter. Nun gut, die Sache hat mir noch einmal einen ganz schönen Schlag in die Magengrube gegeben, doch zum Glück hatte ich Vorarbeit geleistet und habe mich trotzdem zum WS gewagt.

Kleiner Exkurs: Was ich aus meiner Vorarbeit (zwischen SBS Workshop und FAMP) mitgenommen habe

Daher hier einmal einige, kurze Hinweise darüber, wie auch solche harten, dissoziativen Erfahrungen zu meistern sind, inklusive ständiger Persönlichkeitsauflösung und trallala. Diese Erfahrungen habe ich zwischen 2015 und 2017 gesammelt, und sie sind kein Spaß, und auch nur sehr mit Vorsicht zu genießen.

  • Es ist möglich, eine Psychose, oder einen psychotischen Zustand, zu “navigieren”. Dabei ist es ausgesprochen hinderlich, wenn externe Faktoren (oder ein aggressiver, pathologischer innerer Kritiker) dabei mit reinspielen. Es erfordert extrem viel Feingefühl, es ist aber möglich.
  • Es ist oft nicht möglich, das eigentliche Thema zu packen, oder anzugehen – besonders, wenn es sehr groß, verzahnt, sehr komplex ist. Deshalb ist es oft notwendig, über lange Zeiten damit zu “spielen”. Sollte sich eine Möglichkeit ergeben, das Thema zu “unterlaufen” und rein aus Intuition etwas daraus zu lösen oder herauszuheulen, dann tu es. Egal, wie absurd der Gedanke oder das, was dann hochkommt auch sein mag: Es ist so in der Psyche gespeichert, es muss ernstgenommen werden.
  • Extrem wichtig: Ein “eingebildetes Thema” ist so zu behandelt wie ein echtes. Da gibt es eigentlich keinen Unterschied. Den Drachen nicht ernstzunehmen, macht ihn nicht “weggehend”.
  • Andererseits ist es auch sehr gefährlich, ein Thema “zu sehr zu akzeptieren”. Das führt sehr schnell zur Überidentifikation oder quasi zu “dämonischer Besetzung”. Hier ist sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt – und zwar am besten rein intuitives. Was gleichzeitig die leichteste, aber auch die allerschwierigste Kunst ist.
  • Generell gilt: Es kann notwendig sein, ein Thema zu pushen bzw. “sich hineinzusteigern”, um genug “Schub” zu erhalten, darunter etwas auflösen zu können. Ein wenig vergleichbar ist das mit einem Gummiband, das gestreckt wird. Kurz, bevor das Gummiband “zurückschnappt”, lassen sich Unterthemen auflösen, neue Glaubenssätze installieren, etc.
  • Vorsicht davor, sich zu sehr auf einen Faden, bzw. einen toxischen Gedankengang einzulassen! Es ist meistens nicht möglich, ein Thema so zu “bearbeiten”: Vielmehr nimmst du es so nur an, und machst dich damit zum Komplizen des Traumas.
  • …andererseits ist genau das manchmal notwendig, um dem inneren Kritiker bzw. einem großen Thema soweit “entgegenzukommen”, dass der Weg frei ist, es aufzulösen. Seeeehr riskant, leider oft notwendig.
  • Auch eine Dissoziation geht einmal vorbei. Entspannung ist hier das Zauberwort, was VERDAMMT schwierig und eklig sein kann.
  • Je mehr bereits aufgelöst ist, desto aggressiver reagieren die restlichen “Kritikerteile”. Ein Thema aufzulösen, bedeutet nicht unbedingt, dass es dann “besser wird” – ein Teil wird leichter und freier, andere können umso ekliger werden.
  • Und, ganz wichtig: Ich habe sehr, sehr großen Respekt vor LSD. Das Zeugs kann die Hölle werden, und das “Festkleben” auf einem Trip ist eine sehr große Gefahr. Andererseits macht die Angst davor, klebenzubleiben, das “Festkleben” umso wahrscheinlicher, genauso wie die Wirkung bzw. das, was du aus dem Trip mitnehmen kannst, kann dadurch gefährdet werden.
  • LSD am besten nicht zum “Fliegen” verwenden! Das ist eher Entertainment, keine Heilung.
  • Psylocybin ist inzwischen legal erhältlich. Besonders lustig wurde es, als ich auf einmal Geister um mich herum fühlte. Auch wenn der Effekt nach ca. 6 Stunden scheinbar abebbt, können noch Tage später Heulattacken, Flashbacks aufkommen. Sollte dich so etwas aus der Bahn werfen können (was du erst weißt, nachdem du es erlebt hast, solltest du daher in den nächsten Tagen auf so etwas gefasst sein und notfalls den Effekt “mitnehmen”:
  • Weinen ist verdammt gesund und löst Dinge oft sehr effektiv und beinahe “mühelos / automatisch” auf. Sehr praktisch, wenn ein aktiver Zugriff über die Kugelübung nicht möglich zu sein scheint. Kugelübungen können jedoch auch Dinge freilegen, so dass “Weinen” dann leichter fällt, bzw. beinahe von selbst kommt.

Ich rate zu sehr viel Fingerspitzengefühl beim Konsum dieser Substanzen. Von LSD habe ich seit vielen Jahren komplett die Finger gelassen, Psylocybin ist kontrollierbarer (und als Microdosing auch legal!), aber auch nicht gerade ein Wundermittel. Caveat, lieber Leser!

So, dass sind ein paar Prozent der Erfahrungen, die ich mitnehmen konnte, und die vielleicht dem ein oder anderen etwas weiterhelfen können. Im Zweifel gilt: Du bist dein bester Therapeut, du solltest diese Dinge für dich integrieren und nutzen. Was davon für dich hilfreich ist und was nicht, ist komplett dir überlassen.

Viel Erfolg (und Glück)!

Zurück zum Workshop: Es geht los in Las Vegas

So. Das war jetzt erstmal genug von meinen persönlichen Erfahrungen, weiter geht es mit dem FAMP Workshop. Nachdem ich mich durch die Sicherheitskontrolle gemogelt hatte (sehr unfreundliches Pack am Las Vegas Airport!!), ging es weiter in das “Turmcasino”, dass sich Orlando als Workshopplatz ausgesucht hatte.

Kurz vor Workshopbeginn bin ich draußen zusammengeklappt, ein anderer Workshopteilnehmer baute mich wieder etwas auf. Und dann ging es auch schon los.

Leider war der Raum im oberen Teil des Towers zum Verdruss von Orlando kurzfristig gecancelt worden, sodass wir mit einem abgeriegelten Nebenraum vorlieb nehmen mussten, in dem noch leise die Geräusche der Spielautomaten hineinklimperten. Orlando wirkte müde und abgekämpft, wenn er mal nicht in seinem Schamanending drin war, hat aber sonst mal wieder mit erstaunlicher Ausstrahlung geglänzt, und die für ihn übliche “Auto-Trance” durch seinen Auftritt zu Beginn ausgelöst. Es war, wie immer, sehr beeindruckend, jedenfalls soweit ich mich daran erinneren.

Los ging die wilde Fahrt.

An den ersten Tag erinnere ich mich nur noch wage. In der Vorstellungsrunde sprach ich praktisch nur aus Bauchgefühl heraus, was sowohl für mich als wohl auch für Orlando etwas überraschend war. Auf jeden Fall hörte Big O. aufmerksam zu, schien wirklich zu verstehen, was ich sagen wollte. Ein gutes Vorzeichen.

Genau weiß ich aber noch, dass ich es am zweiten Tag schaffte, durch lange Vorarbeit Schub zu erlangen, und möglichst effektiv aufzunehmen, was so erzählt wurde. Treten auf den Boden, gerade so durch den Kritiker durchgemogelt. Die Angst, von anderen blöde angepöbelt zu werden, kurz weggdrückt, bzw. überwunden.

Boooooooom!! Los ging es in die Pushtrance. Und ich habe mir die Seele aus dem Leib gekotzt wie vorher noch nie. Danach war ich erstmal platt, und konnte Orlandos “Integrationstrance” nur sehr bedingt folgen.

Es war definitiv ein – wenn auch sehr gefährlicher – Durchbruch für mich. Es war, als wäre in diesem Moment tief in mir eine Art “Sprungfeder” eingebaut worden, die immer wieder gegen die in mir vorhandenen Themen anarbeitet. Diese Sprungfeder existiert wohl bis heute, auch wenn sie – wie schon gesagt – nicht ohne Risiko ist.

Obwohl ich sowieso schon randvoll gepackt bin und das Fühlen von Themen mich bis zu meiner Belastungsgrenze kickt, habe ich es dennoch gewagt, noch einmal in diese ganzen Dinge reinzugehen. Ohne die Vorarbeit zwischen den Jahren 2015-2017 hätte das auch sehr übel ausgehen können, und hätte sicher nicht so gekickt, wie es das nun einmal getan hat.

Daher bin ich – irgendwie – auf eine ganz perverse, komische Art und Weise darüber dankbar, vor dem FAMP noch den SBS besucht zu haben. Vielleicht war die Reihenfolge auch die falsche, keine Ahnung. Auf jeden Fall haben sich beide WS irgendwie wunderbar ergänzt, irgendwie auch nicht.

Ach ja: Und einen rotzdämlichen Spruch (oder besser gleich zwei) konnte sich Orlando natürlich nicht verkneifen. Stichwort 87 Seiten Fragebogen, und “pass gut auf, dass du nicht…” Bla bla, Roland H. Bellstedt, erspar dir deine dämlichen Machosprüche für einen anderen Idioten.

Tag 3: Vor Orlando gefaked, und eine wunderbare Abschlusstrance

Am dritten Tag habe ich mit Leibeskräften versucht, wieder durchzupushen wie am Samstag. Ich habe es Orlando signalisiert, er nahm meinen Blick auf, ich habe irgendwie simuliert, so richtig wollte es nicht mehr kicken. Schade, aber okay.

Eine letzte Trance zum Ende war definitiv eine der intensivsten und stärksten, die ich jemals bei Orlando mitgenommen habe. Es ging es den “Primärsatz der Zurückweisung”, also praktisch eine Rückführung an dem Moment, an dem der “erste, dicke Schlag” im Leben eingetreten sein soll. Orlando beschrieb es in der Trance mit folgenden Beispiel:

Du bist ein Kleinkind, Mama und Papa sind weg, und du malst die Tapete mit schönen Farben an, damit sich Mama und Papa freuen. Plötzlich kommen sie nach Hause und es gibt Riesenärger.

Da war natürlich guter Rat teuer. Was ist der Primärsatz, wo genau soll ich einhaken? Ich stand auf, legte mich hin, und kam tatsächlich einmal kurz zur Ruhe. Knapp die Themen weggdrückt, um freie Bahn zu haben, wurde es richtig mystisch und… unbeschreiblich “tief und magisch”. Ein Effekt, den ich bis jetzt nur – und nur – jemals EVER bei Orlando erlebt habe.

Ich wählte eine Situation, die irgendetwas mit Kindergarten zu tun hat. Nun sollten wir die “Gleise des Lebens” praktisch neu, und anders verlegen. Und zwar mit der einfachen Assoziation, bzw. dem Grundgedanken / Konzept / Whatever “ich bin gut”.

Das gelang mir auch irgendwie. Genau hier liegt der Hase aber im Pfeffer vergraben, und die Zweischneidigkeit der MM-Methode kommt zum Vorschein (ich komme gleich darauf zurück).

Fazit: Je tiefer, desto ekliger

Je tiefer ein Teilnehmer sich entscheidet, in den Code einzutauchen, desto härter ist der Weg. Denn mit zunehmender Tiefe wurden so viele Erfahrungen, die ich im Leben gemacht habe, als für das wahre Leben irrelevant, ja als Gift enttarnt. Genau das hat Orlando mir mit diesem Workshop wieder einmal gezeigt.

Nicht ohne Grund wird der Workshop beworben mit dem Slogan: “Hast du das Gefühl, dass dein Leben auf einem falschen ‘Betriebssystem’ basiert?” Recht hat er, der Orlando.

Wie immer, können die Inhalte im Workshop für fast alles eingesetzt werden, im guten wie im schlechten. Die versprochene Tiefe wurde streckenweise erreicht, und es war auch wirklich genug. Übrigens waren einige Teilnehmer in der Pause am Nölen, dass Orlando mal gefällig “mit dem Workshop weitermachen sollte”, oder dergleichen. Keine Ahnung, was ich davon halten soll.

Abgesehen davon hat Orlando mir zum Abschluss dann noch mitgegeben, ich hätte mich “von allen Teilnehmern am stärksten auf das Thema eingelassen”. Nicht besonders lustig war es dann im Nachhinein, als ich während eines Telefongesprächs mal wieder feststellen durfte, dass sich wohl ein Teilnehmer von mir weggesetzt hatte, als es mal so richtig abging, und das irgendwelche Bastarde sich hinter den Kulissen wohl mal wieder über mich lustig gemacht haben. O-Ton: “Jeder hat eine Story zu dir, Patrick”.

Joah, da macht das Magick Male-Dasein ja mal so richtig Spaß.

Sei es, wie es sei: Der Workshop hat streckenweise gehalten, was er versprochen hat. Nicht mehr, nicht weniger. Größtenteils würde ich zum FAMP auch sagen, dass er inhaltlich “gröber”, weniger kunstvoll, und auch insgesamt weniger “blumig” ist. Mir kam er oft wie eine abgespeckte, oft sogar komplett entgegengesetzten Version des SBS vor. Wut und generell “männliche” Themen scheinen generell oft deutlich weniger “spirituell-komplex” zu sein. Diese Herangehensweise hat sicherlich ihre Vorteile, auch das Thema “Wut” generell ist im FAMP viel ausgeprägter als in anderen Workshops, was in der Natur des Themas “Fundamentals Of Male Power” liegen mag.

Zu allem weiteren möchte ich das Schlusswort dem Gastautor Müller lassen:

In seinem Marketing und in seinen Workshops spricht Orlando immer davon, dass es möglich sei, mit der Kugelübung emotionale Themen auf tiefster Ebene zu erlösen. Tatsächlich gelingt es Orlando meisterhaft, einen auf seine Themen zu stoßen. Wie er das macht? Keine Ahnung, aber es funktioniert. Das Problem daran ist nur, dass man nach den Workshops mit seinen Themen völlig alleine dasteht. Ich persönlich bin in der Folge in eine Depression gestürzt, aus der ich mich nur mit Mühe und über Jahre wieder befreien konnte.

Das ist das, was ich an Magick Male so ungesund finde: Themen werden zwar gefühlt und gekugelt, aber angeblich sei es völlig unwesentlich, sich damit auseinandersetzen. Das führt zu einem völligen Fehlen an Selbstreflexion, das sich meiner Meinung nach nicht nur bei vielen Teilnehmern, sondern auch bei Orlando selbst sehr deutlich zeigt. Ja, Orlando hat schon recht damit, dass es nicht hilft, sich in seinen Themen zu suhlen, das Gedankenkarussell anzuwerfen und nur zu grübeln. Aber sich der Struktur hinter den eigenen Themen nicht auch (!) kognitiv zu stellen, sondern diese nur (!) zu fühlen und dann vermeintlich zu erlösen, wird eben auch zu einem Suhlen, wenn es eben doch nicht so einfach möglich ist, diese Themen mal eben wegzukugeln.

Quelle: Gastartikel “Der Weg zur psychischen Gesundheit? Ein Erfahrungsbericht

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