Mai 30, 2024

Hinweis: Ich wollte in diesen Artikel noch einige Dinge mehr einbauen, leider hat der Flow es dann in eine andere Ecke getrieben. Daher sind die letzten Absätze etwas unzusammenhängend und sprunghaft geworden.

Es ist wirklich nicht einfach, nach all den Jahren Dauernotlage bei mir – und, aus meiner Sicht, auch bei Magick Male – noch authentisch etwas von mir zu schreiben, und dabei auch noch verschiedene Themengebiete mit abzudecken. Ich versuche es trotzdem einmal.

Mich hat der TV-Beitrag von Carolin Kebekus wirklich nachdenklich gemacht. Als Orlando noch neuer am Markt war, schien er mir noch sehr ehrlich und authentisch zu sein, auch wenn er im Beitrag von Stern TV – einer der ersten, die es als Videodokument von ihm gab, schon etwas gekünstelt und bemüht aussah. Fairerweise muss ich dazu aber auch sagen, dass er – laut eigener Aussage – zum Zeitpunkt des Drehs – extrem mitgenommen war, unter anderem von einer schmerzlichen Trennung und wohl auch dem Tod eines Elternteils.

Wie sehr in den früheren Inhalten noch eine gewisse Leichtigkeit zu spüren war! Die durchschlagende Superwirkung der MM-Methoden wurde schon damals hochgelobt, in einer Überhöhung, die wohl darauf basiert, dass sich jeder gegenüber seinen eigenen Sorgen und Unsicherheiten irgendwie mit einem Ego abschirmen muss. Das ist normal, für den “Prozess” ist es aber nicht ganz so super, weil mit dieser Form von “Männlichkeit” auch immer eine gewisse Erstarrung und Engstirnigkeit mit sich kommt.

Carolin Kebekus – Als wäre die Zeit stehengeblieben

Es ist beinahe so, als sei nichts passiert. Nichts hat sich geändert. Wurde Orlando bei Stern TV noch von einem dämlichen, stumpf auftretenden Herrn L. als lächerlicher Idiot und armes Würstchen dargestellt, ist es heute bei Carolin Kebekus dieselbe Nummer wie damals. Okay, inzwischen finden sich in den MM-Infomaterialien in der Tat einige sehr beunruhigende Tendenzen (ich denke nur an das Zitat: “Kannst du dir vorstellen, welche Macht du auf Frauen haben kannst?”), und die Aussage im Beitrag, dass Orlando und die “Manosphere” einen Einstieg ins “rechte Umfeld” sein können, bzw. diese offensichtlich inzwischen nahtlos ineinenander übergreifen, ist absolut richtig. Doch die Sache ist viel komplizierter, als es zuerst den Anschein hat.

Wer hat denn durch solch hämische, irreführende Berichterstattung überhaupt erst Menschen so weit in ihren Vorurteilen und ihrem Gefühl des “ausgegrenzt werdens” so sehr bestätigt, dass sie sich immer weiter in ihre Schutzzonen und ihre Ideologien zurückgezogen, und radikalisiert haben? Gewalt erzeugt Gegengewalt.

Gut. Die Kebekus hat ihre Aussagen im Beitrag, und ihre “Anti-Coaching-Hetze” abgeschwächt. Trotzdem kommt es noch nicht einmal im Ansatz an das heran, was Orlando in seinen besten Momenten so an Analysen abgegeben hat.

So drehte sich fast das komplette MBS um Themen wie “(Häusliche) Gewalt gegen Männer”, was Orlando etwas plump, aber doch sehr treffend analysierte. Im MBS waren weinende Teilnehmer zu sehen, die sich offen äußerten (damit meine ich nicht den kurzen Hinweis, und das Nicken von Orlando in meine Richtung, wer die Module kennt, erinnert sich vielleicht noch an die Stelle). Teilnehmer zeigten sich extrem verletzlich, einer sprach über seine Scheidung, ein anderer über Vaterthemen, die ihn extrem tief getroffen hatten.

Nein, das waren keine “Härtner”. Auch keine “Machos”. Der eine klang noch sehr jung und verletzt, der andere wie ein reifer, gesetzter Herr. Beide komplett ohne jede Aggression in der Stimme.

Kaum etwas davon findet sich bei Carolin Kebekus wieder. Ausgiebige Recherche? Fehlanzeige! Ehrliches Interesse am Thema, und der Wille, die eigenen Denkschablonen mal etwas abzulegen und sich die “andere Seite” anzuhören? Aber nicht doch. Männer, die zu ihren Verletzungen stehen und sich auf authentisch und ehrlich öffnen? Bäh, das passt mal so gar nicht ins Schema.

“Haha, Mimimi”. Hähme, Hetze, Kebekus halt

Als sei die ganzen Jahre über nichts passiert, scheint Kebekus den Nerv der Zeit zu treffen. Blöde, doofe, herumheulende Männer! Gefährliche Manosphere! Gefährliche Coaches!! Alles sehr, sehr böse, das Spiel kennen wir ja.

Nachdem er bei Stern TV so übelst hinters Licht geführt und verarscht wurde, ist Orlandos Misstrauen in die Medien und die Welt natürlich noch einmal extrem gestiegen. Die Corona-Krise hat gezeigt, wie sehr die öffentliche Meinung sich radikalisieren und ein solches Phänomen weltweit Verbreitung finden kann.

Und, als seien niemals kluge Bücher wie “Men on Strike” von Dr. Helen Smith geschrieben worden, als hätte ein Warren Ferrell keine klugen, durchdachten und nachdenklichen, tiefen Abhandlungen zu Männerthemen veröffentlicht, als seien all die Versuche eines Maximilian Pütz, oder von mir aus auch von Erik von Markovic (“Mystery Method”), soziale Dynamiken und Flirtstrukturen zu erklären, nie geschehen, als hätte ein Neil Strauss keine zwei (!) Bücher zum Thema Pickup-Szene und Traumata geschrieben, die zum Nachdenken anregen und Hintergründe aufzeigen, ist der soziale Diskurs polarisiert und radikalisiert wie eh und je.

Alle Versuche dieser Männer (und einer Frau) mögen nicht perfekt gewesen sein. Und dennoch hatten sie einen hohen Wert. Und das Ergebnis? Dieselben Maschen werden angewandt, nur diesmal einige Spuren härter. Wo Kebekus wohl noch eine im Vergleich zu anderen Hardcore-Weibern und Femist*innen (der Genderstern dient hier zur Unterstreichung der Tatsache, dass es verdammt viele “männliche” Feministinnen zu geben scheint) reflektierte Person ist, ist das Framing das gleiche geblieben. Nur mit einigen Abwandlungen und zum Teil auch Verschärfungen.

Denn wer Wind säht, wird Sturm ernten – In die Ecke getrieben

Die Stimmung in der MM-Community ist da nur ein Symptom, denn solche Parallelgesellschaften entstehen ja nicht aus heiterem Himmel, sondern aus Leidensdruck und einer gewisen Notwendigkeit heraus. Die politische Ecke, in die Orlando spätestens seit dem MBS immer härter abgewandert ist, mag grob irreführend sein. Nicht so sehr wegen der Grundlage dieser Theorien (wenn auch gewagt, kann ich sehr gut verstehen, wie jemand auf solche Schlussfolgerungen kommen kann), sondern wegen der Verfestigung in ein klares gut-böse Schema. Trump und Putin sind die Retter der Welt, Q-Anon ist eine hochspirituelle Bewegung voller Geheimwissen, und Corona ist eindeutig eine Biowaffe, um uns alle auszulöschen.

Alles Zuspitzungen, die zwar auf Indizien basieren, aber in ihrer “harten Schlussfolgerung” nicht unbedingt so stimmen müssen. Wer weiß, ob hier nicht einfach nur (Gedanken-)Spiele einiger gelangweilter, reicher Säcke zu wahren Weltverschwörungen hochgejazzt wurde. Ob diese Herren wirklich soviel Kontrolle über die Welt haben, wie sie es vielleicht selbst gern möchten? Was ist noch Zufall und Missgeschick, und wo fängt die Verschwörung an?

Denn, wie fast immer, ist an jeder Bewegung immer ein Körnchen Wahrheit als Basis vorhanden. Oder vielleicht sogar ganze Säcke voll damit.

Überleben in einer radikalisierten Welt

Es ist keine (Dauer-)Lösung, sich immer weiter zu radikalisieren. Bei mir ist es das Thema “Frauen”, was wahre Monster für mich angenommen hat. Vielleicht, weil ich mir immer irgendwo Schutz, Trost und Halt von ihnen erwartet habe, und dann das genaue Gegenteil dabei herauskam, wer weiß. Orlando, der wohl eine sehr starke Bindung zu Männlichkeit und Vaterfiguren hat (er scheint seine “Mentoren” ja über alles geliebt zu haben), ist da vielleicht eher im Bereich Regierung und “Geheimorganisationen” sensibiliert, oder kommt mir das nur so vor?

Auf jeden Fall ist es sehr schwierig, sich da nicht komplett zu verhärten. Mir geht es jedenfalls so. Tatsache ist, dass die Welt im Wandel ist. Wir erleben gerade, wie Science Fiction Wirklichkeit wird (ChatGTP! AI!), alte “Verschwörungstheorien” längst von der Wahrheit überholt wurden, und Männer inzwischen – wortwörtlich! – Frauen sein wollen. Oder zumindest “transgender”. Was auch immer das sein mag (damit meinen nicht alle gleich die Geschlechtsumwandlung).

Wer soll da noch gesund und standhaft bleiben? Oder sich gar Richtung Lebenszweck entwickeln?

Und mit diesen nachdenklichen Worten entlasse ich dich, lieber Leser, ins Wochenende. Bloß nicht durchdrehen, Jungs und Mädels!

1 thought on “Wohin trudelt die Welt, wohin MM? Nachdenkliches zum Samstag

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