Mai 5, 2026
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Mal wieder aus meiner persönlichen Beobachtung über die Jahre, und es erklärt vielleicht auch, wieso so viele von „Opferhaltung“ oder „Opferrolle“ sprechen, anstatt von ihren tatsächlichen Erfahrungen im Leben. Als TL:DR-Kurzzusammenfassung passt dieses schöne Zitat von Curd Jürgens:

Ich habe manchen Kratzer abgekriegt

zu sagen es war halb so schlimm

das wär′ gelogen.

Ich habe längst nicht immer nur gesiegt

die Pose hat darüber weggetrogen.

Aus: Curd Jürgens – 60 Jahre und kein bisschen weise

Kurz zusammengefasst: Schaut man auch nur einen winzigen Hauch hinter die Kulissen, oder beobachtet ein wenig, dann entpuppen sich verdammt viele der stolzen „Anti-Opfer“ als genau das: Opfer, entmachtet, unbeliebt zu einem Punkt, an dem sie effektiv gehasst sind.

Das oft nicht einmal zurecht: Es können Menschen mit sehr interessanten Erfahrungen sein, spannenden Lebensgeschichten, und was es da noch so alles an positiven Erfahrungen gibt.

Und wer sind die, die sie dann wegbeißen? Oft genug „Bubis“, Arschlöcher, oder „kleine Jungs“ mit Aggression, die aber in ihrem Kern nicht wirklich wie reife, kraftvolle Charaktere wirken. Oder, wie es in einer Weltkriegsdoku mal hieß: Die alten Wehrmachts-Soldaten hatten oft geradezu Angst vor den radikalisierten, frischen Hitlerjungen, die mit gerade einmal 17 an die Front geschickt wurden: „Die haben sich in jeden Kugelhagel ohne zu Zögern reingestürzt“.

Erlebnis 1: Elsass-Gebiet, bei der Weinernte

Abgesehen von ein paar Damen mit Herrscher-Attitüde, die zwar nicht unbedingt aggressiv, aber in ihrem Wesen ganz eindeutig die Oberalphas da waren, habe ich damals sowohl einen Haufen wohl einheimischer Jungs („uns geht es hier gut, wieso sollten wir weg?“) kennengelernt, als auch einen reiferen Herrn, der laut eigener Aussage wohl irgendwann mal Soldat war.

Ich fand ihn spannend. Als er erfuhr, dass ich Wanderrouten suchte, fing er an, ein wenig zu erzählen. Es war klar, dass er irgendwie der Anführer oder Checker sein wollte. Keine Ahnung, wie der wohl so privat draufgewesen wäre, aber als Charakter habe ich ihm auf jeden Fall gebannt zugehört.

Tjoah. Und dann kamen die Jungs / junge Männer dazu, ein einzelner nur: „Du vergiftest gerade die ganze Stimmung.“ Mit deutlicher Aggression dahinter, wenn auch nett gesagt.

Daraufhin hat der – deutlich ältere und vielleicht auch erfahrenere – Ex-Soldat ziemlich schnell die Fresse gehalten.

Soviel zum Thema „sich Respekt verdienen“, oder „der Alpha sein“. Der Jüngling hatte ganz klar die Oberhand.

Erlebnis 2: Mein ehemaliger Mitschüler im Call-Center

Dazu gibts hier schon einen Artikel (klick hier). Kurzfassung, selbes Bild: Der große, charismatische Alpha wird von seinen Genossen weggemobbt, mit Lust an der Sache, und bis auf sein armes Kind (seine fette Frau hat ihn beim Kinder-Dominieren fleißig unterstützt, wie ich mal mitbekommen habe) hat ihn wahrscheinlich niemand so richtig für voll genommen. Dafür sind die dann aber fleißig um ihn herumscharwenzelt, um ihm irgendeine Lüge anzudrehen, wieso das alles irgendwie nicht gestimmt hat.

Oh weh.

Erlebnis 3: Mal wieder aus dem Horror-Kino

Selbe Nummer, diesmal war es ein augenscheinlich relativ „seriöser“ Typ mit einer Liebe für Philosophie und Atheismus. Und sicher niemand, der schlecht gearbeitet hat, so hat es auf jeden Fall nicht ausgesehen.

Auch hier, selbes Bild: Einer der Alteingesessenen, auch nicht wirklich jemand, den ich als „gestandenen Mann“ bezeichnen würde, hat ihn weggeopfert, die Gruppe fands offensichtlich in Ordnung bis toll.

Und auch hier: Charisma, augenscheinlich auch Lebenserfahrung, Charakter, kannste alles in die Tonne kloppen, wenn es um die leidige Frage geht, ob du ein Opfer oder keines bist.

Erlebnis 4: Call-Center auf Zypern

Diesmal die absolute Krönung: Ein bulliger Rumäne, und zwar auch einer, der immer sehr gerne auf das Einhalten von Regeln und „Anstand“ geachtet hat, so eine Art bulliger Super-Papa, der gerne sein Testosteron gezeigt hat (auch mir gegenüber): In einer Pause hat er dann erzählt, mit einem sehr verwundeten Blick, wie er in seinem alten Job einfach so gefeuert wurde. Augenscheinlich ohne echte Begründung, oder vielleicht hat er die einfach nicht gecheckt.

Von außen hätte ihm das aber nie jemand angesehen.

Fazit: Das waren alles Menschen, aus denen die Umstände Opfer gemacht haben

Mit dem kleinen Problem, dass die wahrscheinlich alle immer vehement darauf gepocht hätten, keine zu sein. Da ging es dann wohl um sowas wie „Opferrolle„… zu gut Deutsch: „Auch wenn ich auf die Fresse fliege und objektiv der Outcast bin, dann beiße ich mich halt weiter durch und jammere nicht herum.

Joah. Genützt hat es ihnen offensichtlich wenig. Ihr Leben sah für mich nicht nach einer Erfolgsstory aus. Auch nicht nach Zufriedenheit. Oder auch nur allgemein nach Glück

Und auf ihren Lebenszweck oder ihre Leidenschaften hat die Welt offensichtlich so ziemlich geschissen.

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