Juni 18, 2024

Vor so knapp 10 Jahren wollte ich mich mal in anderen Bereichen der freien Wirtschaft ausprobieren als im Callcenter oder im Onlinemarketing. Also habe ich mich in einem großen Kino in Köln beworben, und siehe da, sie haben mich auch tatsächlich genommen.

Über die Erfahrungen dort schreibe ich vielleicht noch etwas, vielleicht lasse ich es aber auch. Auf jeden Fall ist die Belegschaft (die Alteingesessenen) sehr gut darin, Mitarbeiter nach ca. 3 Monaten wieder herauszumobben, wenn sie ihnen nicht in den Kram passen. Routine ist es, den Mitarbeiter zuerst “auf der Fläche” in Ruhe zu lassen, um ihn dann auf dem Snackstand mit allen möglichen Mitteln einem “Stresstest” zu unterziehen. Ob der zu schaffen ist oder nicht, weiß ich nicht, auf jeden Fall werden “Störenfriede” (oder was auch immer bei diesen Leuten aneckt) so kalt gemacht.

Aber zurück zum Thema dieses Artikels: Die werte Damenwelt. Diesmal geht es um ein Mädel, dass eigentlich sehr nett wirkte, und es meiner Ansicht nach auch später noch war. Die Damen heißt mit Vornamen Karla.

Unauffällig und sympathisch: Die kleine Karla

Von eher kleiner Körpergröße, und von Typ her “liebes Mädel”, ist Karla definitiv eine der sympathischeren dort gewesen. Auf blödes Zeugs meinerseits hat sie nie fies reagiert, auch bei anderen galt sie als “nett”. Auch ein Gespräch während der “Kino-Aufsicht” war sie zu haben, auch wenn sie dabei nie wirklich viel selbst beigetragen hat, und eine Gratiscola während der Arbeitszeit gab es auch.

Im Vergleich zu den anderen Damen, die ich hier so erwähne, war sie definitiv ein Engel.

Soweit, so angenehm. “Interessanter” wurde es aber, als wir uns am Freitag mal in eine Disko gewagt haben. Mit dabei war noch ein anderer Arbeitskollege, ein kleiner, ausgesprochen miesepetriger ITler.

Sinnlos auf der Tanzfläche

Es ging also auf die Tanzfläche in eine Disko. Während Karla zwar sah, dass was von ihr wollte, das aber sehr liebenswert zurückwies (ein weiterer Bonuspunkt für sie), war es beim Tanzen etwas… komisch.

Frau Königin tanzte in der Mitte, und mein miesepetriger Kollege schaute mürrisch drein. Es war weder Stimmung da, noch Atmosphäre oder sonst etwas. Dabei wirkte Frau Königin komplett selbstvergessen, da war weder Kontakt nach außen da noch sonst irgendetwas. Immerhin hatte sie ihren Spaß, wer kann es ihr verübeln. Ich bin dann schnell wieder rausgegangen, weil was soll das…

“Wir müssen die Mädchen beschützen”

Am nächsten Tag auf der Arbeit kam Karla dann auf mich zugehüpft. “Hey, der Kollege XY hat mit dir noch ein Hühnchen zu rupfen, hihi.” Juchu, Krawall! Ja, da gibt es vielleicht Drama! Toll, super, mega.

Ich muss dabei – ähnlich wie beim Drachenlord, Corona, oder der Spaßtenstimmung im MM-Forum – immer an Gladiatorenspiele oder öffentliche Hinrichtungen denken. Der ultimative Kick, totale Begeisterung. Mich treibt es da auch gerne mal hin, auch wenn ich weiß, dass es im Endeffekt das Hirn wie in einer Mikrowelle kocht und dann nicht mehr viel von Verstand und Seele übrig ist.

Oder, wie es Orlando im Feel Different ausdrückt:

“Die Spaßgesellschaft muss dich auf Dauer in den Wahnsinn führen.”

Quelle: Feel Different, eines der ersten Module

Nun gut, aber was hat den armen, traumatisierten Kollegen denn nun so gestört? Auf meine Nachfrage hin grummelte er etwas davon, dass wir “auf der Tanzfläche die Mädchen” hätten “beschützen müssen“.

Ähm. Bitte, was?! Bin ich hier in Afrika oder in einem Kriegsgebiet, dass “die armen Mädels beschützt werden müssen”? Vor was denn bitte? Gratisdrinks von Fremden?

Es war so dermaßen lächerlich, dass mir davon nur noch schlecht wurde; und zwar von dem Typen, nicht vor irgendetwas anderem.

Abspann: Karla hasst das Kino

Ach ja, Karla habe ich auch noch einmal gesehen. Sie hat gekündigt, und kam dann, begleitet von ihrem Hofstaat, noch einmal als Kundin rein. Aggressiv und gereizt, erklärte sie mir, wie sehr sie dieses Kino hasst. Wahrscheinlich ist sie in ihrer Snackstandphase von der freundlichen Proletenbande herausgekickt worden, die Selektion nahm also ihren Lauf.

Der Titel dieser Reihe, “die Königinnen und ihr Hofstaat”, ist definitiv auch von ihr inspiriert worden. Wie sie mit ihren Kumpels und Kumpelinen auf einmal vom Engel zur gereizten Superzicke mutierte, war sehr bezeichnend. Und dass sie in der Mitte marschierte, zeigt mir, dass sie wahrscheinlich einen sehr hohen Status in der Truppe genoss. Es sei ihr gegönnt, und trotzdem war es mehr als etwas erhellend.

Fazit: Dagegen kommt keiner an

Sogar die Geschassten machen sich gegenseitig nieder, weil sie “die Mädchen beschützen” wollen, ein privater Kontakt ist kaum möglich, und interessante Gesprächsthemen gibt es auch nicht. Wer soll schon gegen einen solchen Status, und eine solche Bande gehirngewaschener “Männer” ankommen?

Das andere Geschlecht hat sich längst den harten Bedingungen im äußeren angepasst. Hauptsache, jemand besteht die Schlacht irgendwie und schafft es dabei noch, nicht komplett durchzudrehen. Persönlichkeit spielt da keine Rolle mehr.

Und wer es nicht mitmacht, der darf sich auf eine seelische Fahrt in die Hölle gefasst machen, siehe diesen Artikel.

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