Juli 24, 2024

Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer kurzen Reihe, in der ich kleine Annekdoten und Erfahrungen mit Gesellschaft und Frauen ansprechen möchte. Hintergrund ist der, dass bei MM nie angesprochen wird, wie es “da draußen” so aussieht. Das möchte ich gerne ändern.

Vor vielen, vielen Jahren lebte ich in Köln, genauer gesagt im Studentendorf in Hürth, direkt um die Ecke. In einer Studentenkneipe traf ich eine rundliche, aber sehr liebevolle und emotionale Dame namens Sabine*, die auch relativ verloren wirkte und Kontakt suchte.

Wir haben uns dann schnell zusammengefunden. Sie bemerkte schnell, dass ich belastet war, und ich merkte schnell, dass sie es auch ist: Bei einer kleinen “Pickup”/ NLP -Trance, bei der es darum ging, in den Körper zu fühlen, wurde sie plötzlich ohnmächtig. Beim Sex (den wir immer wieder probiert haben, aber nie hatten, weil ich nicht konnte und wollte) kam sie nie zum Orgasmus, wohl aber, wenn sie es sich selbst gemacht hat. Und auch sonst hatte sie massive Depressionen, war nach kleineren, “peinlichen” Momenten komplett – auch körperlich – neben der Spur.

Sieht man davon ab, dass sie, wenn sie verletzt war, zur gigantischen Furie geworden ist, war sie ansonsten eine Frau, wie ich sie so selten wieder getroffen habe. Liebevoll, warm, verständnisvoll. Und vor allem “mochte sie besondere Menschen” (Zitat): Ich hoffe, das spricht hier für und nicht gegen mich, wer weiß das schon.

“Geliebt von vielen”

Zusammen kamen wir eigentlich nur, weil ich ihr erzählt habe, dass es mir doch eigentlich total egal wäre, ob meine Partnerin auch andere Typen hat. Das hat sie total fasziniert und begeistert, ich für meinen Teil hatte so etwas noch nie mitgemacht. Sie erzählte mir, dass sie schon zig Typen hatte, “die über sie drübergerutscht sind”. Das aber ohne jegliche Biestigkeit, Sabine war schon immer jemand, der eher emotional und “weich” ist.

Sie suchte Verständnis, Ehrlichkeit, Offenheit. Und hat sich immer wieder bemüht, dass es zwischen uns auch sexuell klappt. Mir war das, nach viel Trauma, einfach alles zuviel des Guten, sie dagegen hat immer wieder versucht, sich wieder aufzurappeln, “Verrücktes zu tun”, umzuziehen, etwas zu verbessern, Beziehungen aufrechtzuhalten, sprich: Genau das, was ich von einem coolen Menschen erwarten würde.

Die Mädels hacken sich gegenseitig weg

Eines Tages, eher am Anfang unserer Beziehung, rief sie mich relativ aufgelöst an. “Mann, ich habe vor ein paar Mädels erzählt, dass ich schon viele One Night Stands mit Männern hatte. Die Mädels haben gesagt: ‘Gib dich doch nicht für sowas her’. Sags mir bitte: Das ist doch okay so, oder?”

Das Zitat ist hier nicht exakt, auf jeden Fall war sie ziemlich aufgelöst. Und ich kann es nur sehr gut verstehen, denn wer will schon, dass andere so auf die eigenen Erfahrungen reagieren?

Nur: Irgendwann erwischt es wohl jeden. Wie viele Menschen suchte Sabine Halt, Verständnis, Liebe, das Gefühl, “in Ordnung zu sein”. Wie es ihr gedankt wurde, könnte ich noch lang und breit ausführen: Von einer Treppe, die sie heruntergestürzt ist, während andere schadenfroh lachten, über angedeutete Familiengeschichten, und allen möglichen anderen Anekdoten, die zeigten, wie wenig von “der Gesellschaft” oder anderen zu erwarten ist.

Da nützt dann auch keine Kugelübung, oder Authentizität, oder sonst etwas mehr: “Parties”, Bars und Feiern sind vielleicht für “Jäger” etwas, die ganz gezielt ein paar Mädels abschleppen, oder für Hardcore-Musikfans, die alles um sich heraus ausblenden und einfach nur zu lauter Musik abgehen wollen. Alle anderen dürfen sich vor allem auf Verletzungen einstellen. Oder, wie haben es die SXTN mal so schön in einem Lied ausgedrückt?

Fall bloß nicht aus der Rolle: Sexuelle Abenteuer im “Orlando”-Style sind der soziale Tod

Ich wette, Sabine hätte sich auf Geschichten wie das von Orlando so hochgeschätzte “Frauen sexuell trainieren” oder “ich mache dich zu meiner Tempelhure” durchaus eingelassen, also auf all die spannenden, erregenden Abenteuer, von denen er in einem Audioprodukt so sehr schwärmt. Nur, was passiert, wenn das einmal schiefgeht, oder eine Zweitmeinung wichtig wird? Oder, wenn so jemand dann einmal “unter Menschen geht”?

Das Ergebnis wird wahrscheinlich eine soziale Abschlachtung sondergleichen werden. Alternativ dazu kann ich natürlich auch alles in mich hineinfressen und “nur für mich leben”, das wird aber irgendwann einmal sehr wirr. Wer möchte sich unter solchen Bedingungen schon zeigen, an die Öffentlichkeit gehen? Wahrscheinlich kaum jemand, mich eingeschlossen.

Wer möchte sich unter solchen Bedingungen schon verwundbar zeigen, mal die Hüllen fallen lassen und “einfach nur ich selbst sein”? Vermutlich so ziemlich niemand, denn das hält auf Dauer keiner aus.

Fazit: Es kann jeden irgendwann erwischen

Irgendwann muss sich vermutlich jeder einmal der Realität und ihren Dynamiken stellen. Entweder das, oder die eigene, kleine Seifenblase wird irgendwann so groß und dünn, dass sie platzt, oder sich mit allerlei Krimskrams füllt. Ich jedenfalls wünsche Sabine, im Gegenzug zu den meisten anderen Menschen, einfach nur viel Glück.

Es scheint aber eine Art Naturgesetz zu sein: Irgendwann erwischt es jeden, vor allem die sympathischen, liebevollen Menschen. Egal, wie populär, die sozialen Gegebenheiten treffen irgendwann jeden. Und die “Königinnen” machen sich, zusammen mit ihrem Pöbel, über die her, die sie als Fußvolk betrachten.

Da sind sie nicht anders als viele Männer.


Fußnoten:

* Der Name ist hier echt. Ich denke nicht, dass irgendjemand von damals hier mitließt, oder eine Verbindung zu der Dame herstellen kann.

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