September 24, 2022

Ein Gespräch mit einem Leser dieses Blogs hat mich zu diesem Artikel inspiriert. Er beschrieb mir einige, sehr heftige Reaktionen auf die ersten sieben Feel Different Module, und hat meine analytische Ader (mal wieder) geweckt.

Vorab: Es wird jetzt zum Teil schmeichelhaft für Roland H. Bellstedt, auch bekannt unter seinem Künstlernamen Orlando Owen. Zum Teil aber auch nicht. Wer hier also einen Verriss erwartet, wird ihn nicht bekommen. Lobeshuldigungen aber auch nicht.

Stufe 1: Auslösung / Triggerung der “realen” Gefühle hinter der Maske

Wie es bereits mein Gastautor Müller in seinem fabelhaften Artikel auf den Punkt gebracht hat: Orlando gelingt es meisterlich, Gefühle zu wecken, und alle möglichen Bereiche des Unbewussten zu triggern. Und auch das Unterbewusstsein wacht plötzlich auf, mehr oder weniger wohl in seinem Urzustand. *

Dann passiert natürlich etwas sehr Unangenehmes: Je nach Grad und Intensität der angestauten Themen treffen diese auf einen Persönlichkeitskern, der sich gerade neu aufbauen oder zumindest ändern / transformieren muss. Dieser hat für die angestauten Themen keinen passenden Kompensationsmechanismus, sprich: Er kann nicht mit ihnen umgehen.

Die einzigen Werkzeuge, die Orlando dafür anbietet, neben ACT und CBT, ist die Kugelübung. Nichts weiter. Eine komplett künstliche Technik, die das Thema bearbeitet, unter Umständen noch weiter hochholt, dabei immer tiefere und ekligere Schichten freisetzt, die wiederum mit anderen Themen verzahnt sind, etc.

Stufe 2: “Hilfe, ich habe ein Thema”. Verwundbarkeit, Wut, Hilflosigkeit

All diese Dinge kommen sehr schnell und sehr intensiv hoch. Und weil der gute alte Orlando auf der Bühne so ballert, passiert das in einer unter Umständen unglaublichen Intensität.

Die sogenannten “Arschtritte”, die Herr Bellstedt so sehr liebt, führen dann zu allen möglichen, “lustigen” Reaktionen. Ein Teilnehmer erzählte einmal, er habe von Orlando geträumt. “Son, there is something deeply wrong with you!“, hätte er ihm im Traum gesagt, schlecht auf Deutsch übersetzt: “Sohn, mit dir ist irgendetwas ganz tief nicht in Ordnung.

Wie der Teilnehmer damit umgehen soll? Ganz einfach: Mit noch mehr Kugelübungen! Der Teilnehmer Lars beschrieb mir am Telefon, wie es ihm immer schlimmer ging, und wie weitere Kugelübungen das Thema eher zu verschlimmern schienen.

Und genau hier beginnt Magick Male zu versagen. Und das liegt in einigen Bereichen ganz und gar nicht an Orlando.

Stufe 3: Die Community versagt. Krachend.

… und auch das ist nicht unbedingt ihre eigene Schuld. Denn helfen ist schwierig, es verlangt Commitment, und es ist für Laien unter Umständen extrem schwierig. Wie sehr habe ich meine eigene Hilflosigkeit und Aggression erlebt, als ich meinem damaligen Accountability-Partner Johannes weiterhelfen wollte, und wie schnell das Pendel dann so umgeschwungen ist, dass ich ihm das Leben zur Hölle gemacht habe. Sogar zusammengeschrien habe ich ihn, in meinem damaligen Zustand auch nicht gerade grundlos.

Hätte ich es aber nicht getan, und hätte ihn “kommen lassen”, wäre die Situation vielleicht komplett umgekehrt gewesen. Wie soll denn so Zusammenarbeit funktionieren?

Orlando sagt selbst: Es wäre hier die Aufgabe der älteren und erfahrenen Männer, einzugreifen. In alten Kulturen war es Brauch, dass erfahrenere sozusagen “Väter ehrenhalber” waren. Und das verlangt, wie schon erwähnt, Commitment.

Geschieht das? Nein, Fehlanzeige! Entsprechende Strukturen gab es bei Magick Male nie, obwohl sie mit speziellen Gruppen eigentlich aufgebaut werden sollten.** Ob das im kleinen Ausmaß funktioniert hat, weiß ich nicht. In den großen Gruppen, bzw. im Mainstream, kam es jedenfalls nicht an.

Hier versagen die Teilnehmer. Aber mal fatal. Könnte es auch anders funktionieren? Schwierig zu sagen, ohne führenden Kopf gibt es eben Kopflosigkeit.

Stufe 4: Viel Spaß in deiner persönlichen Hölle, lieber Teilnehmer!

Tjoah. Und hier kommen wir zur – sehr unangenehmen – Phase Nummer 4: Der Teilnehmer raucht ab. Vielleicht nur ein wenig, vielleicht sogar komplett. Und hier zeigt Orlando auch sein wahres Gesicht: Im Kern ist er wohl immer der “Bad Boy” par excellence geblieben. In der typischen Arroganz der Authentic Power Systems wird der Teilnehmer meist sehr im Stich gelassen, oft sogar schikaniert, oder zumindest sehr unerfreulich behandelt.

Stürzt ein Teilnehmer ab, kann er sich auf eine sehr unangenehme Mischung aus Arschlochverhalten, Hilflosigkeit und Narzissmus gefasst machen. Unvergessen ein Ausschnitt aus dem neuen Coachingprogramm “Orlando Owens School of Transformation and Magick”, in dem er, zusammen mit seinem neuen “Ziehsohn”, noch einmal leicht hämisch betonte, Magick Male sei “keine Therapie”, und man solle anderen (vor allem Frauen?!) doch einfach mit einem simplen “interessiert mich nicht” abtun, damit sie ihr Problem gefälligst selbst löst.

Dass sich das sehr wahrscheinlich auch auf den Teilnehmer selbst beziehen wird, versteht sich von selbst.

Fazit: Im jetzigen Zustand ist Magick Male garantiert nicht mehr zu dem zu gebrauchen, was es einmal versprochen hat.

Orlando ist sehr wahrscheinlich ausgebrannt, die Community ist ein Pulverfass, und Magick Male ist aus meiner Sicht ganz sicher kein Ort, in dem ich mich mit vielen Themen gerne aufhalten möchte.


Fußnoten:

* Die Begriffe verwende ich hier so, wie sie von Orlando gelehrt werden. Sollte ich hier etwas durcheinanderwürfeln, so sei es mir bitte verziehen.

** Wie diese Gruppen genau heißen, wollte ich gerade im Magick Male Inner Circle nachlesen. Der wurde mir offensichtlich gekappt. Mehrere tausend Euro Coachingprogramme im Arsch. Na vielen Dank auch, ihr Dreckssäcke!

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